Die Entscheidung zwischen Süd- und Ost-West-Ausrichtung ist keine reine Ertragsfrage, sondern vor allem eine Frage Ihres Verbrauchsprofils: Süd liefert die höchste Erzeugungsspitze um die Mittagszeit, Ost-West verteilt den Ertrag flacher über den Tag und passt dadurch oft besser zu einem klassischen Tagesablauf mit Verbrauch morgens und abends. Statt fixer Prozentangaben zeigt dieser Beitrag, wie Sie die Entscheidung anhand Ihrer eigenen Situation treffen – inklusive Rechner zum Ausprobieren.
Ein nach Süden ausgerichtetes Modul erzeugt seinen Strom konzentriert um die Mittagsstunden – dann ist die Kurve am höchsten, fällt aber morgens und abends steil ab. Eine Ost-West-Aufteilung (ein Modulstrang nach Osten, einer nach Westen, oder ein Wechselrichter mit zwei MPP-Trackern) erzeugt dagegen eine flachere, breitere Kurve: weniger Spitzenleistung am Mittag, dafür bereits am Vormittag und noch am späten Nachmittag nennenswerten Ertrag. Ob das für Sie vorteilhaft ist, hängt davon ab, wann in Ihrem Haushalt tatsächlich Strom verbraucht wird – nicht davon, welche Ausrichtung in der Theorie den höheren Jahresertrag verspricht.
Sie werden in diesem Artikel keine Aussage wie „Ost-West erzeugt X % weniger, deckt aber Y % mehr Eigenverbrauch" finden. Der Grund: Beide Werte hängen so stark von Dachneigung, Verschattung, Modulanzahl, Wechselrichter-Konfiguration, Wetterjahr und vor allem Ihrem individuellen Lastprofil ab, dass eine pauschale Zahl in die Irre führen würde. Seriöser ist eine Spanne, die Sie für Ihre eigene Situation überschlagen: Nutzen Sie dafür unseren Ertragsrechner – dort können Sie Ausrichtung, Neigung, Region und Anlagenleistung eingeben und erhalten eine Jahresertrags-Spanne als groben Anhaltspunkt, nicht als exakte Prognose.
Bei einer echten Ost-West-Aufteilung sollten die beiden Modulstränge idealerweise getrennt am Wechselrichter angeschlossen werden (zwei MPP-Tracker oder zwei separate Wechselrichter), da Ost- und Westmodule zu unterschiedlichen Tageszeiten ihre volle Leistung erreichen. Werden beide Stränge in Reihe an nur einem Tracker betrieben, kann der schwächere Strang den stärkeren ausbremsen. Prüfen Sie diese Konfigurationsmöglichkeit vor dem Kauf anhand der technischen Daten Ihres Wechselrichters.
Bevor Sie sich festlegen, beantworten Sie sich am besten ehrlich folgende Fragen – sie liefern eine erste Tendenz, ersetzen aber nicht die konkrete Berechnung für Ihre Situation:
Keine dieser Antworten liefert für sich allein eine endgültige Entscheidung – zusammengenommen ergeben sie aber meist eine klare Tendenz, die Sie anschließend mit dem Ertragsrechner konkretisieren können.
Die technischen Grundlagen zu Azimut und Neigungswinkel erklärt unser Artikel zur optimalen Ausrichtung, praktische Montagedetails zur Ost-West-Aufstellung finden Sie in unserem Beitrag Ost-West-Aufstellung. Wer speziell die Wintermonate optimieren möchte, findet ergänzend unseren Ratgeber zum Winterertrag optimieren.
Über das Jahr gerechnet liefert eine unverschattete Südausrichtung häufig den höheren Gesamtertrag. Für den nutzbaren Eigenverbrauch kann Ost-West aber trotzdem vorteilhafter sein, wenn die Erzeugung besser zu Ihrem Verbrauchsprofil passt.
Nicht zwingend, aber empfehlenswert: Zwei getrennte MPP-Tracker oder Wechselrichter verhindern, dass ein schwächer besonnter Strang den anderen ausbremst.
Prüfen Sie zunächst Ihr eigenes Tagesverbrauchsprofil (vormittags/abends vs. ganztägig zu Hause) und probieren Sie beide Szenarien in unserem Ertragsrechner durch, um eine grobe Einschätzung für Ihre Region und Anlagengröße zu erhalten.
Mit Speicher verliert die flachere Ost-West-Kurve etwas an Bedeutung, da der Speicher auch die Mittagsspitze einer Südanlage zeitlich verschieben kann. Ost-West bleibt aber sinnvoll, wenn keine reine Südfläche zur Verfügung steht.
Es gibt kein pauschal „besseres" Ausrichtung – Süd maximiert tendenziell den Gesamtertrag, Ost-West passt oft besser zum Tagesverbrauch klassischer Berufstätiger-Haushalte. Nutzen Sie unseren Ertragsrechner, um beide Szenarien für Ihre konkrete Situation überschlagen zu vergleichen, statt sich auf generische Prozentangaben zu verlassen.
Weitere Ratgeber rund um Ausrichtung, Wetter und Ertragswerte sammelt unsere Übersicht „Ertrag optimieren".